100 Tage

– Die Reise unseres Lebens –

Von Kampot nach Can Tho – unsere Abenteuerfahrt ins Mekong-Delta

Am Tag nach unserem Ausflug zur Pfefferfarm La Plantation in Kampot hieß es nach über zwei Wochen Abschied nehmen von Kambodscha.

Bei einem Ticketverkäufer gegenüber unseres Hostels kauften wir für 15 US-Dollar pro Person ein Busticket nach Can Tho in Vietnam. Angeblich sollte die Fahrt in einem großen Reisebus stattfinden und ca. sechs Stunden dauern.

Nachdem wir um 10 Uhr morgens abgeholt wurden, fuhren wir in einem alten klapprigen 15-Sitzer jedoch erst mal noch eine Stunde durch Kampot, bis alle Fahrgäste eingeladen waren. Nachdem zunächst einige Fahrgäste im nahegelegenen Kep abgesetzt wurden, erreichten wir kurz darauf die Grenze zu Vietnam. Unser Fahrer sammelte die Reisepässe ein und kümmerte sich um die Ausreisestempel auf kambodschanischer Seite. Nach nur wenigen Minuten war das erledigt und wir fuhren die wenigen Meter bis zum vietnamesischen Grenzposten.

Grenzübergang nach Vietnam
Grenzübergang nach Vietnam

Vietnam, wir kommen!

Ab dort ging es zu Fuß weiter, denn Fahrzeuge mit kambodschanischer Zulassung sind in Vietnam nicht erlaubt. Unsere Pässe wurden derweil durch unseren Busfahrer an die vietnamesischen Grenzbeamten weitergegeben. Wir mussten einen Gesundheitsfragebogen ausfüllen und dann wurde es echt skurril: mit einem Laser (ähnlich einem Laserentfernungsmesser) wurde an der Stirn Fieber gemessen. Für die zwei Sekunden dauernde Prozedur war pro Person noch ein US-Dollar fällig. Bevor wir unsere Pässe zurückbekamen, wurde unser Gepäck wie am Flughafen durchleuchtet.

Ausfüllen des Gesundheitsfragebogens
Ausfüllen des Gesundheitsfragebogens

Dann endlich, nachdem wir schon über drei Stunden unterwegs waren, ging die Reise weiter. Von dem versprochenen großen Reisebus keine Spur. Wir zwängten uns in einen kleinen, klapprigen Minivan und fuhren nach Ha Tien, einer kleinen Stadt ca. sechs Kilometer hinter der Grenze. Anstatt zwei Reisende, die hier bleiben wollten, rauszulassen, mussten wir alle aussteigen. Ha Tien war vorläufige Endstation. Erst um 14.30 Uhr sollte der Bus nach Can Tho abfahren.

Wir hatten bereits damit gerechnet, dass die sechs Stunden für die gesamte Fahrt eher unrealistisch angegeben waren. Aber die Dauer von viereinhalb Stunden für die ersten 65 Kilometer inklusive Grenzübergang war doch beachtlich!

Das Abenteuer beginnt

Nach einem kleinen Mittagessen für Melik (Anni hatte sich am Abend zuvor den Magen verdorben und daher keinen Bedarf an Nahrung) ging der Ritt auf der Rasierklinge los. Zusammen mit je einem Pärchen aus Holland und Frankreich wurden wir auf die letzten beiden Sitzreihen eines in die Jahre gekommenen 15-Sitzer-Busses gequetscht. Der Fahrer verstaute unsere großen Rucksäcke zunächst im Fußraum vor dem Sitzen, sodass sie diesen komplett ausfüllten. Als wir ihm sagten, dass wir unmöglich mehrere Stunden mit angezogenen Knien so sitzen könnten, wurde er unfreundlich und wollte kein Englisch mehr verstehen. Erst mit Hilfe der Dame aus dem „Reisebüro“ verstaute er widerwillig die Rucksäcke hinter den Sitzen im kaum vorhandenen Kofferraum.

Als wir schließlich mehr schlecht als recht im Bus Platz genommen hatten, sammelten wir in der Stadt wiederum weitere Fahrgäste ein. Diesmal stiegen nur noch Einheimische ein. Bald verstanden wir auch, warum wir uns so zusammen quetschen mussten und warum eine Sitzbank zunächst mit drei Plastikstühlen belegt war. Ruckzuck wurde aus dem 15-Sitzer nämlich ein 20-Sitzer! Zwei Kinder im Grundschulalter wurden auf dem Schoß der Eltern geparkt und die Plastikstühle wurden im Gang platziert.

Im Bus von Ha Tien nach Can Tho im Mekong-Delta
Im Bus von Ha Tien nach Can Tho

Die Straße nach Can Tho ist die südostasiatische Verhältnisse zwar ganz gut asphaltiert, aber eigentlich nur einspurig in jede Richtung. Für unseren Fahrer kein Grund zur Langsamfahrt. Er befand sich so gut wie dauerhaft auf der Gegenspur und raste, als wäre er auf der Flucht. Die Hupe, die er bei jedem Überholvorgang einsetzte, war dementsprechend im Dauereinsatz und nach der Hälfte der Fahrt war sie so erschöpft, dass nur noch ein klägliches Gejammer ertönte. Das schien den Fahrer aber nicht im geringsten zu stören. Er raste weiter als gäbe es keinen Morgen und bretterte über die vielen kleinen und großen Brücken, sodass wir im Bus jedes mal einen Luftsprung machten.

Willkommen im Mekong-Delta!

Der Mekong teilt sich hier in zwei Hauptflüsse, den oberen und den unteren Mekong. Zahlreiche Nebenflüsse und Kanälen durchziehen zusätzlich das riesige Delta, indem sich das Leben der Menschen hauptsächlich am oder auf dem Wasser abspielt.

Gegen halb acht abends erreichten wir nach über neun Stunden Fahrt Can Tho. Während die Einheimischen direkt im Stadtzentrum an der Kreuzung ihrer Wahl aussteigen durften, wurden wir zum Busbahnhof vier Kilometer außerhalb der Stadt gefahren.

Mit einem Taxi, dass wir sechs Touristen uns teilten, fuhren wir zurück in die Stadt. Zu allem Überfluss war der Taxifahrer offensichtlich komplett überfordert, fuhr ständig in Kreis und wollte nicht auf uns hören, als wir ihm die Richtung sagten. Leicht genervt stiegen wir schließlich aus und liefen die letzten paar hundert Meter zu Fuß zu unserer sehr zentral gelegenen Unterkunft, dem Amazon II Hostel. Unser Zimmer war sehr geräumig, hübsch und neu. Die Besitzerin an der Rezeption war so unglaublich nett und hilfsbereit, dass wir uns sofort sehr wohl fühlten. Diese nette Begegnung tat nach dem in vielerlei Hinsicht anstrengenden Tag doppelt gut.

Da es Annis Verdauung am nächsten Tag noch nicht besser ging und wir es ruhig angehen lassen mussten, verlängerten wir unseren Aufenthalt direkt um eine Nacht. Denn nur wenige Kilometer von Can Tho entfernt findet täglich der berühmte Cai Rang Floating Market statt, den wir uns nicht entgehen lassen wollten. Von unserem Tagesausflug dorthin erzählen wir euch in unserem nächsten Beitrag!

Eindrücke aus Can Tho

Zweiräder so weit das Auge reicht
Zweiräder so weit das Auge reicht
Vegetarisches Abendessen in der De Tham Straße in Can Tho
Vegetarisches Abendessen in der De Tham Straße
Origineller Türgriff eines Cafés an der lebendigen De Tham Straße
Origineller Türgriff eines Cafés an der lebendigen De Tham Straße
Bergeweise frische Litschi
Bergeweise frische Litschi

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