100 Tage

– Die Reise unseres Lebens –

Tet Nguyen Dan – Das vietnamesische Neujahrsfest

Tet Nguyen Dan, kurz einfach nur „Tet“, wird in Vietnam das Neujahrsfest genannt, welches sich nach dem chinesischen Mondkalender richtet. Insgesamt wird Tet, das wichtigste Fest im Jahr und meist die einzigen Urlaubstage der Vietnamesen, eine Woche lang gefeiert. Die Vorbereitungen dafür beginnen jedoch schon lange vorher.

Bevor wir nach Vietnam reisten, wussten wir nicht um die Bedeutung dieser Feiertage. Viele Einheimische und andere Reisende warnten uns davor, denn das öffentliche Leben steht während dieser Tage weitestgehend still und es gibt Einschränkungen im Nahverkehr und bei der Buchung von Unterkünften. Da wir unsere Reise aber nicht komplett umkrempeln wollten, beschlossen wir, die Chance zu nutzen und Vietnam während dieser besonderen Feiertage kennen zu lernen.

Vorbereitungen auf das wichtigste Fest des Jahres

Bereits zu Beginn unserer Reise, also gut drei Wochen vor dem Fest, sahen wir die Vorbereitungen auf Tet. Die Tradition besagt zum Beispiel, dass man sein Haus vor dem Jahreswechsel reinigen und schmücken soll. Dies wird der Grund gewesen sein, weshalb u. A. in Can Tho im Mekong-Delta viele Menschen ihren Häusern einen neuen Anstrich verpassten. Auch anderswo sahen wir Menschen, die ihre Tore und Zäune strichen oder Autos, Motorräder, Hofeinfahrten und ganze Straßen aufwendig mit viel Wasser reinigten. Die sauber geputzten Häuser werden traditionell mit einem Zwergorangenbaum und vielen Blumen geschmückt. Insbesondere in Hoi An sahen wir sehr viele kleine LKW mit Unmengen dieser hübschen Bäumchen. Aber wie man sieht ist für den Transport auch ein Zweirad bestens geeignet!

Fahrender Zwergorangenbaum
Margeritensträuche zum Verkauf am Straßenrand in Hoi An
Margeritensträuche zum Verkauf am Straßenrand in Hoi An

Die Warnungen, die wir bezüglich des Tet-Festes zu hören bekamen, waren nicht ganz unbegründet. Denn je näher die Feiertage rückten, desto schwieriger wurde es, kurzfristig Tickets für Bus oder Bahn zu bekommen. Da wir aber sehr flexibel reisen und uns nicht frühzeitig auf die Route und die Aufenthaltsdauer festlegen möchten, konnten wir nicht lange im Voraus buchen.

Schwierig wurde es, als wir von Nha Trang mit dem Zug nach Da Nang reisen wollten. Unser Wunschdatum war nämlich schon Tage vorher ausgebucht. Am darauffolgenden Tag waren leider nur noch Plätze in der Holzklasse (Hard Seats) verfügbar. Über unsere 13-stündige Fahrt haben wir euch ja schon ausführlich berichtet!

Auch die Zugfahrt von Phong Nha nach Hanoi mussten wir wegen ausgebuchter Zuge kurzfristig umplanen. Aufgrund der hohen Nachfrage verteuerten sich die Tickets auch nicht unerheblich. Ursprünglich stand die Halong-Bucht im hohen Norden bei Hanoi ganz oben auf unserer Reiseroute. Allerdings fanden wir weder online noch im Reisebüro eine Busgesellschaft, die am 5. Februar, dem Neujahrstag, nach Cat Ba in der Halong-Bucht gefahren wäre. Da wir spätestens am 9. Februar das Land verlassen mussten, fehlten uns am Ende leider ein paar Tage, um dieses Highlight noch besuchen zu können. Dass wir schlussendlich ungeplant Silvester in der Hauptstadt verbrachten, war im Nachhinein wirklich perfekt! Zwar war es wirklich schwierig ein geöffnetes Restaurant zu finden (ein einfaches Straßenrestaurant hatte sogar eigens für die Festtage eine neue Speisekarte mit bis zu 150% höheren Preisen!), aber die große Feier und das gigantische Feuerwerk in der Nacht entschädigten dafür. Hiervon haben wir euch in unserem Beitrag über Hanoi schon ausführlich berichtet.

Ballonverkäufer in den Straßen von Hanoi
Ballonverkäufer in den Straßen von Hanoi
Happy New Lunar Year!
Happy New Lunar Year!

Als wir am Neujahrstag morgens mit dem Zug nach Ninh Binh fuhren, staunten wir nicht schlecht, als plötzlich und ohne Vorwarnung in gigantischer Lautstärke Abbas „Happy New Year“ aus den Lautsprechern schallte! Wahrlich nicht das erste mal, dass wir dieses Lied in Vietnam hörten, aber im Zug hätten wir das nicht erwartet. Während die Einheimischen sich völlig unbeeindruckt zeigten, löste das unerwartete musikalische Spektakel bei westlichen Ausländern ein breites Grinsen aus, gefolgt von videographischen Beweisaufnahmen.

Happy New Year zum Frühstück im Zug

Als wir in Ninh Binh ankamen, streiften wir auf der Suche nach einem Geldautomaten durch die Stadt. Wir befuhren mit unserem Roller mehrere Straßenzüge und konnten hier tatsächlich kein einziges geöffnetes Restaurant oder sonstiges Geschäft finden! Zum Glück wohnten wir außerhalb in einem Dorf, in welchem viele Reisende ihre Unterkunft haben. Hier waren die meisten Restaurants geöffnet und wir mussten keinen Hunger leiden!

Am Abend wurden wir gemeinsam mit fünf anderen Reisenden von der Familie, die die Tam Coc Moonlight Bungalows betreibt, anlässlich des Tet-Festes zum Family Dinner eingeladen. Den Abend mit der netten Familie und Menschen aus aller Welt zu verbringen, hat uns sehr gefreut. Ein toller Abschluss des Tet für uns. Den ausführlichen Bericht über unseren Aufenthalt im Cuc Phuong Nationalpark findet ihr hier.

Reich gedeckte Tafel beim Family Dinner
Reich gedeckte Tafel beim Family Dinner

chúc mừng năm mới – Happy New Lunar Year!

Glückliche Vietnamesen, geschlossene Restaurants, ausgebuchte Züge und Busse, Zwergorangenbäume mit leuchtenden Früchten, leere Straßen, prächtige Blumen, brennende Geldscheine in den Straßen, reich bestückte Hausaltare, ein gigantisches Feierwerk – unsere Erlebnisse vor und während des Tet-Festes sind vielseitig und keines davon wollen wir missen!

Hausaltar in Hanoi
Hausaltar in Hanoi
Zwergorangenbäume in Hoi An
Zwergorangenbäume in Hoi An

Weiter Beitrag

Zurück Beitrag

Antworten

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.

© 2019 100 Tage

Thema von Anders Norén

%d Bloggern gefällt das: